Tod durch Heulage

Heulageballen- Zukunft der Pferdefütterung?
Image by brokerx8 on Pixabay

Wieder einmal gab es 2 Fälle einer tödlichen Botulismus Infektion bei Pferden nach Silagefütterung. Ein aktueller Bericht hierzu ist in der Reiterrevue nachzulesen.

Eigentlich dachte ich, dass das Heulagemärchen schon lange ausgeträumt sei, aber- weit gefehlt. Im Bekanntenkreis gab es mehrere Pferdebesitzer, die wohl auch aufgrund der verheerenden Heusituation im vergangenem Jahr mir sagten: da füttere ich lieber gute Heulage als schlechtes Heu….oder ja, das Pferd kriegt jetzt Heulage, aber der Hofbesitzer macht sie selbst und darum sie ist von super- Qualität. Aha.

Was heißt denn „super Qualität“? Ist Heulage von „super Qualität“ besser als Heu? Bedeutet Heulage in bester Qualität nicht nur, dass sie frei von krankmachenden Keimen ist? Warum wird bei Heulage überhaupt immer wieder von der Qualität geredet? Sollte nicht die Qualität bei jedem Futtermittel, welches wir unseren Vierbeinern füttern von guter Qualität sein??

Hauptsächlich ist hier die Rede von dem mikrobiellen Status der Heulage. Der Silierungsvorgang ist ein recht komplexer, aufwendiger Vorgang, bei dem es oberste Priorität haben sollte Fehlgärungen zu vermeiden. Verschmutzungen und Kontaminationen des Siliergutes vor der Vergärung können fatale Folgen haben: wir nicht nur die Gefahr des Schimmelpilzbefalls, sondern auch die Gefahr der Listerien- oder Botulismus-Infektion, letztere verläuft schnell tödlich. Nach dem Siliervorgang kann es durch falsche Lagerungen oder Folienbeschädigungen zu Fehlgärungen kommen, auch wenn der Siliervorgang erfolgreich war.

Nun werden verantwortungsvolle Landwirte stichprobenartig Heulage testen lassen auf Inhaltsstoffe und mikrobiologische Qualität. Nur müsste jeder Ballen vor Anbruch/ Verfütterung getestet werden, weil keiner Qualitätsmängel in der Art wie beim Heu äußerlich feststellen kann und schon gar nicht ob eine Botulismusverseuchung vorliegt!

Fakt ist: selbst wenn die Heulage mikrobiologisch einwandfrei ist, ist sie saures Futter. Der pH- wert einer Heulage bewegt sich um die 5,0 bis 6,1- meistens bei 5,5. Die Frage, die ich mir dabei immer stelle ist, wie geht der Pferdeorganismus damit um,wenn ausschließlich saures Futter gefüttert wird? Einige sagen, die Milchsäure wird schon durch den Bicarbonatpuffer im Speichel neutralisiert. Nun hat der Bicarbonatpuffer im Speichel eher die Aufgabe Teile der Magensäure zu neutralisieren. Das kann er dann ja nicht mehr. Und- eine solche Neutralisierungsreaktion ergibt immer Nebenprodukte. Was geschieht mit diesen, wo landen sie im Körper? Natürlich kann ein Organismus für kurze Zeit damit fertig werden, aber was geschieht langfristig?

Aber auch schon kurzfristig ergeben sich bei der Heulage Probleme ganz anderer Art, mit denen viele Pferdebesitzer schon Erfahrung gemacht haben: Durchfälle. Das liegt zum einen daran, dass mit dem Heulagekonsum vermehrt Milchsäurebakterien in den Pferdedarm gebracht werden. Milchsäurebakterien machen aber nur einen Minimalanteil der Darmmikroben im gesunden Pferd aus. Führen wir nun dem Pferd massiv Milchsäurebakterien hinzu, ändert sich das Darmmilieu hinsichtlich pH-Wert und dies führt zu einem Absterben der heimischen Bakterienflora. Das Darmmilieu gerät also in völliges Chaos. Darum raten einige Futterexperten dazu Heulage schön langsam anzufüttern, um quasi den Mikrobenwechsel langsam zu gestalten. Ändert nur nichts an der Tatsache, dass die Verdauung des Pferdes als Dickdarmverdauer und Dickdarmgärkammer für eine ganz andere Art der Futterverwertung ausgelegt ist.

Ein anderer Grund für Durchfälle sind der Gehalt von biogenen Aminen in vergärtem Futter. Diese werden durch Decarboylierungsprozesse aus Aminosäuren gebildet und können allergische Reaktionen verursachen. Biogene Amine werden über die Leber abgebaut und belasten diese zusätzlich. Als Folge der zeigen sich bei den Pferden mithin erhöhte Leberwerte, Stoffwechselstörungen, Leistungsverlust etc. Bei Menschen beispielweise ist in letzter Zeit viel die Rede von Histaminunverträglichkeiten….Histamin ist ein biogenes Amin, welches sich vermehrt in fermentierten und gelagerten Lebnsmitteln findet (Sauerkraut, Wein, Salami etc.). Dies löst beim Menschen ähnliche Symptome aus: Verdauungsprobleme wie Durchfälle, Schwindel, Kopfschmerzen, Hautirritationen u.v.m.Heulage hat eine kurze Haltbarkeit nach Anbruch und ist dadurch auch schlecht zu handhaben

  • Heulage birgt die nicht seltenen Risiken einer Botulismus oder Listerien-Infektion (meist tödlich)
  • der Säuregehalt bringt das Säure-Base-Verhältnis des Organismus durcheinander mit kaum abzuschätzenden Spätfolgen für den Stoffwechsel (u.a. Leistungseinbußen, Wassereinlagerungen)
  • die enthaltenen Lactobazillen (Milchsäurebaktieren) verschieben den Darm-pH- Wert und verdrängen die physiologisch wichtigen Mikroben, was direkte Folgen auf den Verdauungstrakt des Pferdes hat ( u.a. Durchfälle)
  • in Heulage enthaltene biogene Amine können Stoffwechselstörungen und erhöhte Leberwerte verursachen
  • in Heulage oft enthaltene Schimmelpilze schädigen den Organsimus weitreichend

Findet Ihr nun noch gute und ernsthafte Gründe Heulage zu füttern?
Ich sehe keine. Wir Menschen können uns das Lebensmittel aussuchen, was uns gut tut. Vertragen wir Sauerkraut nicht, essen wir es eben nicht. Den Pferden ein derart verändertes Grundfutter zu füttern, welches in keiner Weise seiner natürlichen Verdauung entspricht, ist weder artgerecht noch verantwortungsvoll.

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