Teil 1 der Blogserie „Pferdehaltung in Zeiten des Klimawandels“

Im verganenen Jahr haben sich Pferdehalter und Besitzer sorgenvoll Gedanken gemacht, wie sie aufgrund der Heuknappheit und der damit verbundenden gestiegenen Heupreise das Hauptfuttermittel ersetzen können. Aber fangen wir von vorne an:

Eine ordentliche Lieferung von Stroh
Image by JethroHardeman on Pixabay

Das Jahr 2018 war eines der trockensten Jahre 2018 und wir leben in einer zeit der Klimaextreme. 2017 war in unserer Region ein extrem nasses, verregnetes Jahr. Schenkt man zukünftigen Prognosen Glauben, werden diese Extreme zunehmen, dies bedeutet für den Pferdehalter ein Umdenken: Trockene Jahre bringen qualitativ gutes Heu in geringer Menge hervor, verregnete Sommermonate liefern qualitativ eher problematisches Heu (ausgewaschene Nährstoffe, Schimmelbefall) in aber ausreichender Menge. Die Heupreise werden langfristig auf dem gestiegegen Niveau bleiben, davon ist auszugehen. Im letzten Jahr waren Heupreise von 90€ pro Quaderballen keine Seltenheit. Die gute Nachricht ist aber: wir können uns darauf vorbereiten und nach Alternativen suchen, um unsere Vierbeiner weiterhin artgerecht zu ernähren. Die Alternativen können Heu nicht gänzlich ersetzen- nein. Es kann aber durch gute Planung, Vorbereitung und Technik Heuverluste vermindert, einen Teil Heu ersetzt und der Grünlandaufwuchs als Grundfutter verbessert werden.

Eines vorneweg: Heulage oder Silage sind keine artgerechten Futteralternativen für Pferde! Diesen Gedankengang könnt ihr gleich wieder vergessen, die Gründe erläutere ich in einem anderen Blogartikel. Nur im Notfall würde ich vorrübergehend! (damit meine ich ein paar Tage) meinen Pferden Heulage füttern.

Was kann ich sonst also füttern?

Heu lässt sich mit qualitativ gutem Stroh strecken. Stroh ist Raufutter, welches arm an Energie, aber durchaus reich an Mineralien ist. Qualitativ gut meint hier ungespritztes, hygienisch einwandfreies und staubarmes Futterstroh. Aufrund der hohen, teils unverdaulichen Rohfaser, empfehle ich bei vermehrter Strohgabe den Pferden durch Mash-fütterung o.ä. (gekochter Leinsamen, Flohsamenschalen) die Verdauung zu erleichtern und Verstopfungskoliken vorzubeugen. Ich habe auch schon vermehrter Ölfütterung an Strohfuttertagen gehört, möchte dies aber nicht empfehlen, da Öl in hohen Mengen schlecht zu verdauen ist für das Pferd.Als Richtwert kann man empfehlen 0,8 kg Stroh/ 100kg Lebenmasse zu füttern- mehr nicht. Durch die zusätzliche Strohfütterung schafft man Beschäftigung und Raufutterersatz für die Darmmikroben, zusätzlich Energie (besonders bei Sportpferden) sollte in Form von Kraftfutterzugabe erfolgen. Bei magenempfindlichen oder zu Verstopfung neigenden Pferden muss eine erhöhte Strohzufütterung sorgfältig abgewägt werden.

Qualitativ gutes Futterstroh kann sinnvoller Raufutterersatz beim Pferd sein
qualitativ gutes Futterstroh kann Knabberspass und Magenfüller sein

Eine weitere Möglichkeit des Heuersatz besteht darin seine Pferde auf eine Winterweide zu stellen. Leider haben die wenigsten Pferdhalter diese Möglichkeit, dennoch möchte ich sie nicht unerwähnt lassen. In diesem Zusammhang kann ich gar nicht eingehend genug dazu raten, der Weidepflege besondere Beachtung zu schenken. Sei es nun, ob die Pferde verlängert auf der Weide stehen, um Heu zu ersetzen oder bei einer Wechsel-Beweidung mit Winterweide oder einfach um in den Sommermonaten nichts zusätzlich füttern zu müssen: der Grünandaufwuchs muss artgerecht, trittfest, widerstandsfähig, giftpflanzenfrei sein! Ein großes Problem ist nämlich, dass Giftpflanzen wie Jackobskreuzkraut oder Graukresse mit trockenen, trittgeschädigten, verbissenen und ungepflegten Weiden bestens zurecht kommen und sich explosiv vermehren können, ist die Grünlandnarbe erst einmal lückig und geschädigt. Diese und andere Probleme lassen sich nur durch konsequente und fachgerechte Grünlandbewirtschaftung erreichen. Lasst Euch hierbei beraten, die Pferde und Euer Geldbeutel werden es Euch danken und Ihr seit bestens gerüstet für alles was da noch kommt!

eine gut gepflegte Pferdeweide sichert Raufutter für die Pferde über einige Monate hinweg.
eine gesunde Pferdeweide sichert Futter für Eure Pferde

Weiterhin kann man sein Pferd mit Wiesen- oder Heucobs rohfaserreich ernähren. Dies ist als Dauerlösung jedoch nicht unbedingt geldbeuteltauglich und für das Pferd, was ausgiebig und lange kauen muss, nicht die beste Alternative. Als Beimischung aber allemal eine gute Sache, um mehr Rohfaser in das Pferd zu bekommen.

Luzerneheu ist kein direkter Ersatz für Wiesenheu, auch wenn das immer wieder angespriesen wird. Luzerne ist zwar rohfaserreich, aber auch sehr eiweißreich und daher nicht für jedes Pferd/ Pony geeignet. Für Sportpferde, Vollblüter, ältere Pferde, also alle mit erhöhtem Eiweiß-und Energiebedarf kann Luzerneheu durchaus einen Teil der Heuration substituieren. Entsprechend kann die Kraftfuttergabe reduziert werden, das sollte aber im Einzelfall dem Bedarf angepasst werden.

Heu komplett durch Kraft- oder Saftfutter zu ersetzen ist im übrigen kaum möglich, aber eine Aufwertung der Ration durch Kraftfutter ist möglich. Die Darmflora des Pferdes ist eine mikrobiologische Gärkammer, die darauf angewiesen ist cellulosehaltiges Material zu Nährstoffen und Energie zu zersetzen. Kraftfutter bringt zwar Energie in das Pferd, jedoch wären die Mikroorganismen dann arbeitslos und das Darmileu würde kippen. Dies zieht schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen nach sich. Sicherlich wurden Pferde in Kriegs- und Krisenzeiten auch vorrübergehend mit gekochten Kartoffeln etc gefüttert und haben das überlebt. Hier möchte ich aber auf annähernd artgerechte Alternativen eingehen. Eine

Bewährt hat sie Fütterung von Heu aus Heusparnetzen und dies sowohl in der Box als auch auf der Koppel. Dies ist nicht nur fresszeitverlängernd (insbesondere wenn nicht Heu in endloser Menge zur Verfügung steht) sondern spart Heuverluste durch das Aussortieren und Untergraben des Heu´s.

Heu füttern ohne Heunetze kann sich heutzutage kaum mehr einer leisten.
Image by hansbenn on Pixabay
Wer kann in heutiger Zeit noch derart unbedarft und generös mit Heu umgehen?

Bei rationierten Heumengen ist unbedingt auf das Abwiegen der Heuportion zu achten. Je nach Heucharge/ Heulieferant ist das Volumen und das Gewicht unterschiedlich. Ich habe nicht schlecht gestaunt dass ein Laubsack voller Heu des eines Lieferanten gute 12 kg wiegen kann und von einer anderen Charge nur 5 kg. Je nach Pressung, Schnitt und Gräserarten kommen diese Unterschiede zustande, bedeuten aber nicht das jenes Heu besser ist als das andere.

Zu guter letzt: in extrem verregneten oder trockenen Heujahren leidet die Heuqaulität bezüglich der Nährstoffdichte. Nährstoffe werden ausgewaschen oder „ausgetrocknet“. Daher ist eine gute Nährstoffversorgung über angepasste Mineralfutter sehr wichtig und muss entsprechend angepasst werden. Bei dauernassen Sommern finden sich zudem vermehrt Schimmelnester in Heuballen, die selbstverständlich großflächig entfernt werden müssen. Zur kurzzeitigen Überbrückung bei solch qualitativ schlechtem Heu kann die Gabe eines Endotoxinbinder´s angezeigt werden. Ich möchte hier keine Empfehlungen aussprechen, solche Futterzusätze sind bei den meisten Futtermittelherstellern zu finden. Bei Fragen dazu könnt Ihr mir gerne schreiben.

Eine Antwort auf „Heuknappheit- gibt es artgerechten Heuersatz?

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