Der leckere Bärlauch hat aktuell Hochsaison und ist für Menschen als Frühjahrskur und auch in der Frühjahrsküche gern gesehen. Wie verhält es sich bei Pferden? Es kommt zwar eher seltener vor, dennoch wächst er manchmal auf Pferdeweiden und viele Besizer fragen sich: stehen lassen oder lieber ausreißen? Getrockneten Bärlauch findet man auch bei einigen Pferdekräuteranbietern im Sortiment. Wie kann das sein, ist er nicht für Pferde eigentlich als giftig einzustufen?

Man findet den Bärlauch natürlicherweise in humusreichen, dichten und schattigen Laubwäldern von März bis Mai, wobei er im April/ Mai seine Blüten zeigt. Auf sandigen Pferdewiesen wie hier in Brandenburg ist er nicht zu finden, aber wohl auf humosen, lockeren Böden in Süddeutschland. Er verströmt dabei seinen typischen knoblauchähnlichen Geruch, was seine Herkunft als Lauchgewächs verrät. Seinen Namen erhielt er übrigens dem volkstümlichen Glauben nach, dass der Bär, aus seinem Winterschlaf erwacht, als erstes Bärlauch zur Kräftung und Stärkung verspeist.

Kommen wir aber zurück zu Bärlauch und den Pferden: Problematisch ist für Pferde (und auch für Hunde) der Stoff Methylcystein-Sulfoxid, der auch in anderen Zwiebelgewächsen vorkommt. Diese Aminosäure bewirkt eine Zerstörung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin, was eine Schleimhautschädigung und eine Anämie nach sich zieht. Eine tödlich Dosis wurde noch nicht beschrieben und ist vergleichbar mit der des Knoblauchs schwer zu erreichen (> 2g/kg Körpergewicht frischer Knoblauch täglich).

Dies zeigt, dass schwere Vergiftungen durch Bärlauch unwahrscheinlich und schwer zu erreichen sind. Dafür müssten sehr große Mengen gefressen werden. Man bedenke aber, dass die Toxizität im getrockneten Zustand nicht nachlässt.

Fazit: wenn auf der Pferdeweide vereinzelt Bärlauch wächst und das Pferd selektieren kann, also genügend anderes Futter zur Verfügung hat, besteht kein Grund zur Sorge. Der Bärlauch kann stehen gelassen werden, da wenige Pferde den intensiv riechend und schmeckenden Bärlauch als besonders schmackhaft empfinden. Entdeckt Ihr dennoch den unwahrscheinlichen Fall, dass sich Euer Pferd begeistert über Bärlauch hermacht, würde ich dann Vorsicht walten lassen und ihn entfernen.

Ob Bärlauch nun im getrockneten Zustand als Heilkraut verfüttert werden sollte, eher nein. Er wird als blutreinigend beschrieben (beim Menschen sicherlich), empfinde ich aber aufgrund der Hämolytischen Wirkung als paradox. Zumindest ein Warnhinweis wäre hier angebracht, oder was meint Ihr? Es gibt weitaus bessere, blutreinigende Kräuter für Pferde ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis!

Die Blätter des Maiglöckchens sind denen des Bärlauchs sehr ähnlich

Bärlauch kann leicht mit dem hochgradig giftigen Maiglöckchen und der Herbstzeitlose verwechselt werden. Sollte auf der Weide vermeintlicher Bärlauch entdeckt werden, prüft bitte genau, ob es sich tatsächlich um Bärlauch handelt. Eine hilfreicher Artikel wurde dazu hier geschrieben. Auch beim Botanikus kann man sein Auge schulen, wenn es um die Identizierung bzw Differenzierung von Bärlauch und Maiglöckchen geht. Bei weiteren Unsicherheiten fragt am besten einen Fachmann/ Fachfrau in der Umgebung oder kontaktiert mich.


Eine Antwort auf „Bärlauch in der Pferdefütterung

  1. Hallo,

    auf der Suche nach Informationen zum Thema Pferdeernährung, habe ich Deine Seite gefunden und möchte mich bei Die für die umfangreichen Informationen bedanken. Schade, dass so eine tolle und informative Seite nicht einfach in Suchergebnissen zu finden ist! Da ich auch ein Pferdeblog habe, würde ich Dir gern einen Link-Austausch vorschlagen! Wenn Du daran interessiert bist, schreibe mich kurz an, dann verlinke ich sofort deine Webseite auf meinem Blog!

    Ich würde mich darauf freuen wenn das klappen könne 🙂

    Mit freundlichen Grüßen und viel Spaß beim Schreiben!

    Kristian

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